Auf in die Sattel – Radmobilität in Erfurt

Auf in die Sattel – Radmobilität in Erfurt
© Peter Götz

Auf in die Sattel – Radmobilität in Erfurt

Unter dem Motto „Auf in die Sattel – Radmobilität in Erfurt“ stellten am gestrigen Donnertag Philipp Kosok vom VCD (Verkehrsclub Deutschland) und Martin Kosny in Vertretung des erkrankten Stadtrats Ludger Kanngießer von der Grünen Stadtratsfraktion im Café DuckDich in der Engelsburg das Erfurter Radverkehrskonzept und die praktische politische Arbeit der Grünen Stadtratsfraktion dazu vor. Dazu gehört bspw. ganz aktuell ein Antrag der Fraktion, der die verstärkte Umsetzung des Radverkehrskonzepts bis Ende 2023 fordert.
Anschließend ergab sich eine lebhafte und anregende Diskussion, in der die zahlreich Anwesenden viele Fragen an uns richteten und uns auch wertvolle Erfahrungsberichte und Hinweise für das weitere Engagement für ein fahrradfreundliches und lebenswerteres Erfurt mitgaben. Näher konnten wir folgende wesentliche Wünsche und Anregungen mitnehmen:

Als Stadt der kurzen Wege muss Erfurt noch deutlich fahrradfreundlicher werden – neben dem Ausbau der entsprechenden Infrastruktur gehört hierzu aber auch eindeutig die Akzeptanz des alltäglichen Fahrradverkehrs durch die Autofahrer*innen.
An dieser Stelle sahen unsere Gäste einen sehr großen Hebel. Mit der Akzeptanz steigt die Sicherheit für den Radverkehr, was im Endeffekt auch die/den unsicheren Verkehrsteilnehmer*in aufs Fahrrad umsteigen lässt.
Um diese Akzeptanz und gegenseitigen Respekt zu gewinnen, müssen die Fahrradfahrer*innen im Straßenverkehr deutlich sichtbarer und alltäglicher werden. Hierzu wurden viele Vorschläge unterbreitet. So könnte man bspw. die blauen Verkehrsschilder, die dem Radverkehr die Benutzung von Fußwegen vorschreiben, nach und nach entfernen. So würde der Radverkehr verstärkt auf die Straßen umgelenkt werden. Für die/den unsicheren Fahrradfahrer*in wird dies nicht ausreichend sein, hier müssen
sichere Radwege geschaffen bzw. das Radverkehrskonzept zügiger umgesetzt werden. Eine kleinere Maßnahme wäre auch die Öffnung der Einbahnstraßen für den Radverkehr. Tempo 30-Zonen können den Radverkehr auch auf die Straße locken,
wie das Bsp. Bonifaciusstraße zeigt. Eine ausreichende Anzahl von ebenerdigen Fahrradabstellanlagen an der Peripherie, an Einkaufszentren und in Wohngebieten ist heute leider noch Mangelware. Wir müssen auch verstärkt die E-Mobilität im Fahrradsektor mitbedenken – neben der Geschwindigkeit des Radverkehrs steigt auch ganz praktisch der Bedarf nach Lademöglichkeiten in bzw. an den Abstellanlagen heute schon enorm.
Insgesamt wurde ein deutlich beschleunigter Ausbau der Radinfrastruktur mehrheitlich begrüßt, denn damit würde die Attraktivität und dann auch die breite Akzeptanz der alltäglichen Fahrradmobilität und schließlich die Lebensqualität für alle in Erfurt steigen.

Der Blick nach Kopenhagen und in andere fahrradfreundliche Städte offenbarte einen klaren politischen Willen FÜR eine fahrradfreundliche und entschleunigte Stadt. Dieser eindeutige politische Wille war immer der Beginn eines deutlichen Umbaus der Infrastrukturen in diesen Städten. Hier mussten wir leider festhalten, dass ein solcher politischer Wille, außer bei der Grünen Stadtratsfraktion, im Erfurter Stadtrat heute noch nicht auszumachen ist, weil – so die These des Abends – die Lobby der Fahrradmobilität in Erfurt noch viel zu schwach ist. Dagegen zieht sich die autogerechte Stadt durch jeden Bebauungsplan und durch jedes (halbleere) Parkhaus!
Erst wenn die Fahrradmobilität im öffentlichen Bewusstsein in voller Breite ankommt, erst dann kommt auch die Notwendigkeit einer fahrradfreundlichen Stadt bei allen politischen Akteuren in Erfurt an. Dann könnten wir ganz andere Mehrheiten für dieses wichtige Thema gewinnen und das Fahrrad deutlicher in den Fokus aller Entscheidungsgremien der Kommunalpolitik schieben. Ein grüner OB könnte allerdings schon vorher positive Wirkung entfalten.
Selbstkritisch wurde jedoch festgestellt, dass sogar die „Critical Mass Erfurt“ nach gutem Start vor einigen Jahren an Zulauf verliert. Hier können wir alle mit unserem persönlichen Engagement für ein fahrradfreundliches Erfurt anfangen.

In diesem Sinne: das Wetter wird schön – auf in die Sattel!

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