Zu der Situation der Parkhäuser

Wir alle haben gefühlt eine Einschätzung zur Auslastung der Parkhäuser in Erfurt. Diese „Gefühle“ gehen weit auseinander: völlig überlastet, sagen die einen; nahezu leer, sagen die anderen.

Wir wollten als grüne Fraktion im Rathaus deshalb wissen, wie die Zahlen wirklich aussehen. Deshalb haben wir eine sehr detaillierte Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt zur Auslastung der Parkhäuser in Erfurt im Jahr 2017. Darin haben wir nach den Auslastungszahlen für a) eine normale Werkwoche (Mo-Sa), b) in den Osterferien, c) der Woche mit dem Krämerbrückenfest und d) zum Weihnachtsmarkt gefragt. Die jeweiligen Wochentage haben wir außerdem aufgeteilt in den Tag, also von 07:00-20:00 Uhr, und die Nacht von 20:00 – 06:00 Uhr.

Wie sehen nun die Ergebnisse aus (auch vor dem Hintergrund, dass ein Parkhaus 2017 geschlossen war, nämlich die Tiefgarage Sparkassen-Finanzzentrum)? Sie finden die komplette Antwort unter der Drucksache DS 0479/18 im Rathausinformationssystem (Auslastung der Erfurter Parkhäuser):

In einer Werkwoche im März 2017 gab es am Montag ganztägig 822 freie Stellplätze bei 2.437 belegten Plätzen. An einem Donnerstag derselben Woche ganztägig 669 freie Plätze bei 2590 belegten, und an einem Samstag 428 freie Plätze bei 2.831 belegten. Nach 20:00 Uhr steigen die Zahlen der freien Plätze dann deutlich und rapide an.

Auch in der Woche des Krämerbrückenfestes verhält es sich recht ähnlich. Auch hier sind tagsüber zwischen 300 und 700 Plätze in den Parkhäusern der Stadt frei.

In den Sommerferien steigt diese Zahl der freien Plätze um durchschnittlich 200 an, so dass etwa am Montag den 10. Juli 816 freie Stellplätze zu verzeichnen waren, am Freitag den 14. Juli gar 853 frei Plätze (bei 2.406 belegten).
Die Stadtverwaltung hat dann die durchschnittliche Auslastung der einzelnen Parkhäuser dargestellt, gerechnet über 24 Stunden, also den gesamten Tag unabhängig von der Tages- und Nacht-Differenz, für das gesamte Jahr 2017:

Wir haben dann folgende Auslastungszahlen:

Thüringenhaus 42%
Thomaseck 59%
Domplatz 37%
Anger 1 26%
Hauptbahnhof 64%
Forum 1 37%
Forum 2+3 60%
Reglermauer 32%

Anfrage zur Auslastung der Erfurter Parkhäuser bei buergerinfo.erfurt.de


Damit hat man, bildet man den Durchschnitt aus der Auslastung aller 8 Parkhäuser, eine durchschnittliche Jahresauslastung der Erfurter Parkhäuser (im 24-Stunden Tag) von sage und schreibe 45%. Nicht einmal die Hälfte der Stellplätze ist besetzt.

Werfen wir einen Blick auf die sehr speziellen Adventstage. An Tagen, an denen ein erhöhtes Verkehrsaufkommen erwartet wird, greift das Parkleitsystem. Das setzt ein, wenn 90% der vorhandenen Parkkapazitäten erreicht sind und verteilt die Autofahrer*innen dann auf die Parkhäuser, um Konzentrationen zu vermeiden. Bei 95% Auslastung spricht man von Vollauslastung. Dann gibt es stadtweit nur noch 150 freie Stellplätze in Parkhäusern.

In der Zeit des gesamten Weihnachtsmarktes, also vom 28.11. bis 22.12. 2017, gab es an 10 Tagen (von 25 Tagen) für eine Gesamtzeit von 36:46 Stunden die Aktivierung des Parkleitsystems. Diese Aktivierungszeit entspricht 6,38% der Gesamtdauer des Weihnachtsmarktes.

Man kann das aufschlüsseln auf einzelne Parkhäuser. Exemplarisch ergibt sich dann für den 16. Dezember, der dritte Advents-Samstag, eine Vollauslastung für den Domplatz von 10:56 Uhr bis 17:47 Uhr, für die Reglermauer von 12:40 Uhr bis 16:26 Uhr, das Anger 1 von 10:56 Uhr bis 17:47 Uhr und das Thomaseck von 12:46 Uhr bis 15:20 Uhr.

In der Tat, am dritten Adventssamstag waren die Parkhäuser in der Erfurter Innenstadt für durchschnittlich 5 Stunden zu 95% ausgelastet. Das heißt nicht, dass da nichts mehr ging. Es heißt, dass die Autofahrer*innen vor den Parkhäusern mehr oder weniger lange warten mussten, bis der nächste einfahren durfte.

Überrascht das irgend Jemanden? Am vorletzten Samstag vor Weihnachten? Und ganz ehrlich: wer glaubt denn ernsthaft, am dritten Adventssamstag in der Erfurter Innenstadt warte-frei ins Parkhaus fahren zu können? Wer das glaubt, ist auch der Überzeugung, er könne bei Regen zwischen den Tropfen durchlaufen und werde nicht nass.

Insgesamt zeigt die Auflistung mehr als deutlich, dass die Parkhäuser in Erfurt nur knapp zur Hälfte ausgelastet sind und dass auch tagsüber in der Stadt mehr als genügend freier Parkraum vorhanden ist.

Was folgt daraus?

Erstens: Ganz klar und eindeutig: Erfurt braucht keine neuen Parkhäuser. Wir haben mehr als genug Parkflächen. Wer das leugnet, kann nicht rechnen und leidet unter Realitätsverlust (oder ideologischer Blickverzerrung).

Weiterhin: Parkhäuser rechnen sich nicht. Bei der Auslastung über 24 Stunden ist ein Parkhaus ein klares Verlustgeschäft. Deshalb wird sich auch kein Investor finden, für die von der Stadtratsmehrheit (gegen unsere Stimmen) beschlossenen zwei neuen Häuser am Huttenplatz und am Löbertor. Ökonomisch ist ein zusätzliches Parkhaus Schwachsinn. (Warum, denken Sie, sind die Parkhäuser in Erfurt teuer? Ja eben: Weil die wenigen Kund*innen diese unsinnige Investition teuer bezahlen müssen!!! Nimm von wenigen mehr, dann hast du als Investor wenigstens ein bißchen was).

Das heißt zudem: auch den Stadtwerken kann man nur abraten, in Parkhäuser zu investieren. Sollte jemand auf die Idee kommen, zu fordern, dass die SWE ein oder zwei Parkhäuser zusätzlich betreiben sollte, dann ist das eine weitere Belastung der Stadtwerke mit einem Verlustgeschäft. Das hätten wir dann alle als Erfurterinnen und Erfurter zu tragen. Deshalb wird diese Idee auf unseren heftigen Widerstand stoßen.

Last but not least: für die wenigen Tage im Jahr mit Höchstlast brauchen wir a) vernünftige Autofahrer*innen und b) ein attraktives park&ride-System, das die Menschen für eine Parkgebühr von 1 Euro (für 6 Stunden) und einer Tageskarte für 3 Euro zu Fünft in die Stadt und wieder zurück zum Auto bringt.

Das gilt übrigens auch für ein ganzjähriges park&ride-Angebot: von der Messe, von der Multifunktionsarena, dem Europaplatz. Das wird unser nächstes Projekt.

Das ist kluge und nachhaltige, grüne Verkehrspolitik. Das ganze Jahr.

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